Mit Toten reden, Bestatter Alexander Fluhr

Bericht im Stuttgarter Stadtmagazin "Lift" Januarausgabe 2008

"Der Beruf des Bestatters ist sehr kreativ, jede Bestattung ist eine ganz neue Aufgabe. Eigentlich sind wir eine Art Reisebüro - wir organisieren alles bis zum Abflug. Wir sind die ersten, die mit den Betroffenen reden, schließlich muss die Beerdingung und alles drum herum organisiert werden.

Mir ist es wichtig, auch zu wissen, was in unserem Abschiedshaus passiert. Dort findet unter anderem die hygienische Versorgung der Toten statt. Am Anfang ist es natürlich komisch, man denkt ständig, irgend etwas bewegt sich. Doch irgendwann fängt man an mit den Toten zu reden. Einer zum Beispiel war sehr schwer, aber unheimlich nett, mit ihm habe ich sehr gerne geredet. Andere jedoch liegen nur da- schweigend und tot. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mal mit Toten rede...

Wir bekommen in den Trauergesprächen viele Schicksale zu hören. Das muss man aushalten können, man kann schließlich nicht mit jedem mitweinen. Auch wenn es oft schwer ist. Und wenn es doch mal sprachlos macht, ist es wichtig authentisch zu bleiben - gute Ratschläge sind fehl am Platz.

Beerdigungen sind ein schwieriges Thema, dabei kann man sie so schön und persönlich gestalten, wie man möchte. Unsere Aufgabe ist es, den Angehörigen verschiedene Möglichkeiten vorzustellen. Wir haben eine eigene Feierhalle, in der auch schon bei ganz spezieller Atmosphäre eine Trauerfeier abgehalten wurde.

Wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen komme ich aus einer ganz anderen Ecke. Eine Kollegin war 14 Jahre lang bei einer Motorrad-Zeitung beschäftigt, ich war Businesscoach. Einige unserer Kollegen beim Bestattungshaus Haller sind aber Theologen und haben sich daher stärker mit dem Tod auseinander gesetzt. So können wir in unserem Team auf unterschiedliches Wissen und Erfahrungen zurückgreifen.

Durch die Arbeit bekommen wir eine erweiterte Perspektive auf das Leben. Sorgen sieht man gelassener. Ich selbst habe durch meinen Beruf mein distanziertes Verhältnis zur Kirche abgebaut. Heute habe ich einen ganz anderen Zugang zur Religion-als Tote sind wir alle gleich. Natürlich überlegt man sich öfter als andere, was passieren wird, wenn man selbst mal stirbt." IJS

Soweit der Bericht im "Lift" nach einem Interview.

Wie wird aus einem Business Artisten ein Bestatter? Viele haben sich sicher gewundert, warum es so ruhig um Alexander Fluhr geworden ist.

Inzwischen bin ich Bestatter und leite eine Filiale des größten Bestattungshauses im Raum Stuttgart. Meine Filiale befindet sich in Echterdingen ganz in der Nähe meines ehemaligen Büros. Es handelt sich dabei um ein für die Branche sehr junges Unternehmen. Eine innovative Unternehmensleitung und ein tolles Team wollten, dass ich in das Unternehmen einsteige. Für einen Business Artisten, der noch nie in seinem Leben eine Anstellung hatte, war das natürlich ein gewisses Risiko.

Am Ende meines Buches schreibe ich "falls es eine Firma bestehend aus Business Artisten geben sollte, oder eine solche entstehen sollte, bin ich gerne dabei". Das Bestattungshaus Haller würde ich als eine solche Firma bezeichnen. So sagte ich nach reiflicher Überlegung Mitte des Jahres 2007 zu und bin nach einer intensiven Einarbeitungszeit Bestatter geworden.

Meine neue Tätigkeit lässt mir inzwischen wieder einige Freiheiten, die es mir erlauben an diversen Projekten weiter zu arbeiten.

Als Business Coach mit neuem Erfahrungsschatz stehe ich gerne wieder und weiter zur Verfügung.

An dieser Stelle gibt demnächst wieder weitere Informationen.