HABEN SIE SICH HEUTE SCHON UNTERFORDERT?
Ich gebe es offen zu, ich lebe trotz aller meiner Weisheiten und Erkenntnisse in meiner persönlichen Leistungsgesellschaft. Am Laptop sitzend versuche ich immer noch etwas flüssiger und schneller zu schreiben als bisher. Stolz bin ich auf meinen gelebten Ansatz der ständigen Verbesserung. Als Held der verwirklichten, ständigen Innovation und erhöhter Effektivität falle ich doch manchmal abends etwas erschöpft ins Bett. Zufriedenheit als Belohnung für vollbrachte Leistung? Nebeneffekte wie kurzzeitiges ausgebrannt sein oder Erschöpfung müssen einfach akzeptiert werden.
Neulich ist es mir aber passiert, dass ich mich aus Versehen unterfordert habe, und Sie werden es vielleicht kaum für möglich halten, aber ich habe mich an diesem Tag wie ein Gewinner gefühlt. Endlich war ich einmal schon tagsüber entspannt und zufrieden. Das Wenige, was ich gemacht hatte, war mir hervorragend gelungen. Und nicht erst am Abend oder spät in der Nacht konnte ich mich genüsslich zurücklehnen und stolz auf mein Tagwerk zurückblicken. Schon am Mittag hat sich ein Gefühl des Triumphes über einen leicht errungenen Sieg eingestellt. Spielten meine Emotionen jetzt total verrückt? Das kann doch nicht gut sein, wo bleibt da der Ehrgeiz, die Freude über die Bezwingung des eigentlich
zu hohen Hindernisses? Wie soll ich jemals wieder neue herausfordernde Ziele formulieren, wenn ich mich über leicht errungene Siege freue?
Mein Verstand versuchte mich zurück in das Muster "Ohne Fleiß kein Preis" zu manipulieren und arbeitete auf Hochtouren um das Gefühl der Freude und des Sieges zu verdrängen. Zum Glück konnte er sich nicht durchsetzen. Wenn ich einen schönen Tag erlebt habe und Freude und Genugtuung dabei heraus kamen, konnte das nicht ganz falsch sein.
Wie würde es denn aussehen, wenn das Ziel die konstante Unterforderung wäre?
Nach dem Motto :
NIMM DIR NUR DIE HÄLFTE VON DEM VOR, WAS DU DIR NORMALERWEISE VORNEHMEN WÜRDEST, UND MACHE DAS EXZELLENT UND MIT RUHE.
Oder wie wäre es denn wenn ich mir öfter statt einem neuen "lehrreichen Fachbuch" ein schönes Musikstück oder einen spannenden Roman zu Gemüte führen würde?
Könnte mich das vielleicht noch erfolgreicher machen?
Oh, da lauert wieder die Falle.
Noch erfolgreicher!
Wozu?
Ich wüsche Ihnen eine unterfordernde Woche...







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